September 2010Billiglohnland CHINA – wie lange noch ?Unsere Wirtschaft boomt – keine Frage. Die letzten Zweifler schweigen, und die ach so klugen Bedenkenträger prognostizieren für irgendwann doch einen Rückschritt. Aber monatliche Wachstumsraten von 30, 40 oder mehr % gegenüber den Vorjahresmonaten kann man einfach nicht wegdiskutieren. Allokationen und Lieferzeiten mit 30 bis 40 Wochen gibt es bereits seit längerer Zeit. Wer bisher unter den langen Lieferfristen stöhnte, wird sich über die folgende Botschaft noch weniger freuen. In China werden in Kürze die Preise explodieren! Grund dafür sind staatliche Pläne, das Mindesteinkommen von derzeit 600 − 800 RMB auf 2000 − 2500 RMB zu erhöhen. Vorboten hierfür waren Streiks in der Automobilindustrie, z. B. Honda 3 Monate Streik, und andere bekannte Firmen. Auch Streiks bei Foxconn, dem Hauslieferanten für die Apple Produkte, haben die Chinesische Regierung zu Aktionen gezwungen. Um die Führung nicht zu verlieren, hat man sich an die Spitze der Bewegung gesetzt und verordnet jetzt staatlicherseits gewaltige Lohnerhöhungen. Auch Arbeitswochen von 7 Tagen mit 8 – 12 Stunden täglich sollen verboten werden. Dies wird sich negativ auf die Preise bei passiven Bauelementen auswirken. Nachdem wir das ständige Auf und Ab bei Halbleitern ja gewohnt sind, sind nun die Passiven an der Reihe, und zwar ganz massiv! Verdopplungen der Preise bei den so genannten C-Teilen sind nicht mehr ausgeschlossen. Zusammen mit der Verknappung der passiven Bauelemente an den Weltmärkten werden diese Kostensteigerungen in Kürze auf die Preise durchschlagen. Es werden nicht nur die Löhne in die Höhe gehen, auch die Rohmaterialien werden nennenswert teurer. Die chinesische Regierung will eine deutliche Reduzierung ihrer Exporte von seltenen Erden, die für die Herstellung von vielen Bauelementen unabdingbar sind, einführen. Betroffen wären LCD-Displays, Batterien, Magnete, Ferrite und andere Hightech-Produkte. Dies sind keine schönen Aussichten. Eine weitere Hiobsbotschaft sind neue unverständliche Vorschriften z.B. der Provinz Changzhu, die verordnet haben, dass der Stromverbrauch um 4,2 % gegenüber dem letzten Jahr verringert werden muss, und daher hat man beschlossen, dass an 9 Tagen kontinuierlich und dann 5 Tage gar nicht gearbeitet wird. Dadurch wird sich die Produktionskapazität aber im September um 15 % reduzieren, mit der Folge von gravierenden Lieferverzögerungen in nicht berechenbarem Ausmaß. Daher geht jetzt der ‚Run’ auf Dieselgeneratoren los, um sich eine eigene Stromversorgung zu schaffen und damit von den staatlichen Stromversorgungen unabhängig zu werden. Unsere Abhängigkeit von den ‚Brutalomethoden’ der chinesischen Regierung werden immer deutlicher sichtbar. Einkäufer, die bei Jahresverträgen für 2011 mit sinkenden Preisen rechnen, dürften bitter enttäuscht werden. Auch der graue oder schwarze Markt geben nicht mehr viel her. Die Konjunktur, die in den letzten Monaten so schön hochgelaufen ist, könnte deshalb, nicht nur durch irgendwelche Umsatzschwächen auf dem US-Markt oder anderen Märkten einen empfindlichen Dämpfer bekommen, sondern durch die Materialknappheit und die damit verbundenen steigenden Preise. In 2 Monaten gehen wir zur Electronica – mit großen Erwartungen auf die Zukunft – aber böse Überraschungen sind nicht ausgeschlossen. Das Billiglohnland China schickt sich an, sein Billig-Image aufzupolieren. Textil-, Spielwaren- und Schuhindustrie haben bereits scharenweise das Land verlassen und bei elektronischen Produkten, soweit sie an der Ostküste produziert werden, möchte man auf höherwertige Produkte umschwenken und die Hersteller zwingen, entweder ins Ausland zu gehen oder nach Mittel- oder Westchina auszuweichen. Dies sind keine Utopien mehr. Der Umschwung hat bereits begonnen. Unsere deutschen Einkäufer wären gut beraten, sich auf diesen Umschwung einzustellen. Mit freundlichen Grüßen W. ENDRICH ‚electronica‘ 2010, München, 09. - 12. Nov. 2010 Bitte merken Sie Ihren Besuch auf unserem Stand A5.138 vor!
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