April 2010

In Zeiten der Allokation und der Aschewolke ...


Kürzlich besuchten wir einen guten Kunden. Beiläufig erwähnte er, dass er für einen deutschen Automobilhersteller kurzfristig 100.000 Parkhilfesysteme für seine Fahrzeuge liefern soll, als kostenloses ‚Add-on’, um den Umsatz zu stabilisieren. Eine tolle Idee für den Kunden, wahrlich! Und natürlich auch ein schönes Projekt für den Zulieferer, wäre da nicht der Zusatz ‚Lieferung kurzfristig’. Und wären da nicht die ausgehandelten Preise, die jedem Geschäftspartner das Wasser in die Augen treiben. Einmal ehrlich: Wer kann denn in Zeiten der Allokation Bauteile für einen Auftrag in dieser Größenordnung sofort liefern? Aber mit dieser Erwartungshaltung wird derzeit die Distribution konfrontiert. Zur Jahreswende wollte sich noch kein Marktteilnehmer zur weiteren Geschäftsentwicklung äußern. Zu nebulös gestaltete sich der gesamte Markt. Auch bis heute sind einige Unternehmen in ihren Prognosen verhalten. Vor einigen Tagen titulierte das Fernsehen eine Sendung mit dem Titel: ‚Die Straße der Kurzarbeit’, gemeint war die Autobahn Stuttgart – Ulm. Und da erwartet man von den Auguren der Distribution eine Aussage zur Lagerhaltung? Die staatlichen Maßnahmen zur Kurzarbeit haben uns im vergangen Jahr vor der magischen Zahl 4 Mio. Arbeitslose bewahrt. Die Hersteller im Ausland, vor allem in Fernost, waren hier nicht so flexibel, haben Fabriken stillgelegt und Personal reduziert und wurden plötzlich mit einer enormen Bauelementenachfrage konfrontiert, als Apple seinen Tablet iPad zum 1. April auf den US-Markt geworfen hat. Die fernöstlichen Bauelementehersteller sind schnell an Ihre Grenzen gestoßen. Die Lieferzeiten sind gewaltig angestiegen. 10 bis 20 Wochen sind keine Seltenheit.
Die Distribution sieht sich also wieder mal mit Lieferengpässen konfrontiert. Damit nicht genug, auch Timings und Frachtraten werden durch die konsequente Reduktion des Frachtraumes der Luftfracht- und Seereedereien unter Druck gebracht. Die Politik der künstlichen Verknappung führt zu enormen Kapazitätsproblemen und treibt Preise ungeniert nach oben. In Hongkong befinden sich derzeit Warensendungen für 10 Tage, die mangels Frachtraum nicht befördert werden können. Die Frachtraten befinden sich seit letztem Jahr auf einem Rekordhoch, und wenn man dem zustimmt, ist die pünktliche Verladung trotzdem gefährdet. Natürlich gewinnt der Höchstbietende immer, aber in der Praxis bleiben trotzdem Container einfach in Fernost stehen, Verspätungen von zwei bis vier Wochen sind derzeit leider nichts Ungewöhnliches. Fazit für den Kunden: Die Waren werden händeringend dringendst benötigt und der Distributor ist machtlos.
Hier besteht nach meiner Meinung dringender Handlungsbedarf. Sowohl auf politischer Ebene, denn warum werden immer noch Subventionen für Luft- und Seefrachtreedereien gewährt, wenn diese Branche ihren Verpflichtungen nicht richtig nachkommen will, als natürlich auch für die deutschen Hersteller, die ernsthaft prüfen müssen, ob sich die Aufträge überhaupt rechtzeitig erfüllen lassen. In der Markt und Technik haben sich vor einigen Wochen die CMS sehr darüber beklagt, dass die benötigten Bauelemente nicht rechtzeitig von der Distribution bereitgestellt werden. Eine berechtigte Kritik! Aber wir sind auch nicht klüger als unsere Kunden.

Mit freundlichen Grüßen
W. ENDRICH
 
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