Februar 2010Sparen um jeden Preis?Das Sparen, mit anderen Worten die Kostenreduktion, ist seit vielen Jahren in der Wirtschaft ein beliebtes Argument, um Preise noch weiter herunterzudrücken um des eigenen Gewinnes willen. Vor vielen Jahren gab es einmal einen Herrn Lopez bei VW, der die Kostenstruktur aller Zulieferer in Frage stellte, alte Strukturen innerhalb der Betriebe aufbrach, viele Betriebe zu einer kostengünstigeren Produktion veranlasste, aber auch einige Betriebe zwang, für immer aufzuhören. In der Zwischenzeit gibt es unzählige kleine Lopez‘, die dessen Erbe angetreten haben, die, durch ihre Geschäftsleitungen und durch Erfolgsprämien angestachelt, von den Lieferanten jedes Jahr 5 % Preisreduktion verlangen. (Die Leser dieser Zeilen sind ausdrücklich ausgeschlossen!) Frage: Wer hat noch Luft? Und andere Geschäftsleitungen haben in ihrer unsäglichen Weisheit die Kostenstrukturen in Deutschland, aber auch in Europa für zu hoch befunden und ihre Produktionen entweder komplett verlagert oder an dritte, nämlich Kontrakt-Manufacturer, „outgesourct“. Wenn dies für den heimischen Markt des Gastlandes erfolgte, war es sicherlich sinnvoll. Aber der Re-Import zeigt jetzt seine Krallen, z.B. durch hohe Kosten für den Transport. Gerade jetzt wieder angeheizt durch die Reedereien und Luftfahrtgesellschaften, die künstlich den Frachtraum verknappen, um die Preise ungeniert nach oben ziehen zu können, ferner Qualitätsprobleme sowie eine vorher nie gekannte Unflexibilität in der Reaktion auf Marktwünsche. Diese Faktoren - auch Kosten - wurden in vielen Fällen unterbewertet oder gar nicht zur Kenntnis genommen. In der Zwischenzeit führt dies still und leise zur reumütigen Rückkehr der Auswanderer, nicht nur in Deutschland, auch in den USA ist dieser Trend zu beobachten. Aber auch ein anderer Trend zur Kostenreduktion führt in der letzten Zeit zu sensationellen Flops. Das Debakel um den ‚Prius‘ und andere PKWs von Toyota, bei denen angeblich das Gaspedal klemmt und die Bremsen lahmen, lässt aufhorchen. Bei Toyota hatte man einen US-Zulieferer für Gaspedale beauftragt, um vor Ort günstiger für die amerikanischen Kunden produzieren zu können, wobei die Qualitätskontrolle in den USA ins Hintertreffen kam. Die immensen Rückrufkosten für Toyota zeigen die Schattenseiten des interkontinentalen Outsourcings. Wie schnell geht dann, fern der Heimat, das Image, die Reputation, das Vertrauen, das man in Jahrzehnten aufgebaut hat, verloren. Der Chef von General Electric erwähnte in einer Zeitung kürzlich: „In manchen Bereichen haben wir zuviel ausgelagert“. Und Boeing, der ruhmreiche Luftfahrtkonzern und Wettbewerber für Airbus wollte die 380er Serie von Airbus mit seinem „Dreamliner Boeing 787“ übertreffen, orderte seine Tragflächen für den Dreamliner in Japan und kämpft nun seit drei Jahren mit den Lieferverspätungen der transpazifischen Allianz. Andere Teile der über mehrere Kontinente vorher verstreuten 787er Produktion hat Boeing in der Zwischenzeit wieder ins heimische Werk zurückgeholt. Und da wäre noch der Ärger mit den C- und E-Klasse 4-Zylinder-Dieseln von Daimler-Benz, die öfter unverhofft ins Notfahrprogramm zurückfallen, weil eine Piezo-Einspritzdüse ausfällt, die man nur der Einsparung einiger Cents willen nicht von Bosch gekauft hat. Natürlich ist man hinterher immer klüger. Man fragt sich, ob man dies nicht früher hätte wissen können usw. Vielleicht sollten wir einmal darüber nachdenken, ob der Kunde all den technischen Schnickschnack, der heute um teures Geld in moderne Autos eingebaut wird, wirklich will, ob er es benutzt? Natürlich gibt es im Auto viele segensreiche Produkte, z.B. die Sicherheitsgurte und die Airbags, aber auf manche Einrichtungen, da bin ich mir sicher, könnte man auch problemlos verzichten. Warum ist der Dacia von Renault so erfolgreich − aber der kleine SMART so teuer? Auch im Maschinenbau gibt es die Tendenz, die Maschinen immer schneller, präziser, spezieller zu bauen – aber wer kann die tollen Apparate dann noch im Ausland warten? Und die Preise steigen, sehr zur Freude der Chinesen, die die Maschinen zwar kopieren, die aber dafür billiger und wartungsfreundlicher sind. Ein nicht unwesentliches Verkaufsargument: „Cheap and simple!“. Für Firmenchefs sollte das Toyota-Debakel eine Warnung und ein Denkanstoß sein: Wer günstiger im Ausland herstellen lässt, produziert selten besser. Und wer es dennoch probiert, sollte unangenehme Überraschungen von vornherein einplanen. In dem Buch ‚Die Outsourcing-Falle’ beschreibt die Autorin Joppe, dass mittelfristig gerade mal 20 % aller Auslagerungen die erhofften Kostensenkungen zwischen 20 % und 40 % erbringen. Die Wahrscheinlichkeit, dass uns Aktionskosten, Qualitätseinbußen und Imageschäden die Bilanz verhageln, ist entsprechend größer. Mit freundlichen Grüßen W. ENDRICH
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