Januar 2012Warum hatte er keinen Bausparvertrag?Liebe Leserinnen und Leser, ob Herr Wulff nun Bundespräsident bleiben soll oder seinen Stuhl räumen soll überlasse ich gerne Ihrer Entscheidung. Nur frage ich mich, warum hatte dieser Mann keinen Bausparvertrag? Bekanntlich wird ein Schwabe mit 40 Jahren „gescheit“, bis dahin sollte er ein Haus gebaut, einen Sohn gezeugt und einen Baum gepflanzt haben. Na ja, kann man spekulieren, die armen Ministerialen werden ja sicherlich schlecht bezahlt, aber einen Bausparvertrag, das wäre es doch gewesen. Wer ab 30 einzahlt, könnte mit 40, und Herr Wulff ist ja schon über 50, eine satte Summe angespart haben und er bekommt noch ein Darlehen von 60 % evtl. gar mehr von der Ansparsumme. Dann wäre auch das Thema mit den leidigen Zinsen auf wunderbare Weise erledigt gewesen. Natürlich gibt es dafür einen Schuldigen, und das können nur die Vertreter der Bausparkassen sein, die offensichtlich in Norddeutschland und vor allem in Niedersachsen nicht besonders aktiv tätig zu sein scheinen. Wahrscheinlich war dann der Kredit der BW-Bank eine nachträgliche schwäbische Wiedergutmachung, dass er von Vertretern dieser Branche so sträflich vernachlässigt wurde. Genug des Spottes: An der ganzen Affäre, wenn man das so nennen darf, beunruhigt mich etwas ganz anderes: Darf ein Ministerpräsident oder gar ein Bundespräsident keine Freunde haben, die erwiesenermaßen nicht im Arbeiter- oder Angestelltenkreis angesiedelt sind, sondern wohlhabende und einflussreiche Persönlichkeiten aus Industrie oder Handel oder Politik, die sich auf sicherlich ehrenwerte Weise ein Feriendomizil an den schönen Urlaubsorten dieser Welt erworben haben. Obwohl, selbst deutsche Rentner haben schöne respektable Zweitwohnsitze oder Feriendomizile an der Costa Brava oder sonst irgendwo. Diese Urlaubsorte sind sicherlich nicht ungewöhnlich, und wenn man dann solche Freunde hat und dort in deren Besitztümern Urlaub macht, sollte es grundsätzlich nichts Ehrenrühriges sein. Wie heißt es in England: Verdammt sei der, der schlecht darüber denkt! Zugegeben, von Freunden mit zweifelhaftem Ruf sollte man sich tunlichst fernhalten. Aber wie die Boulevardpresse oder die Presse überhaupt oder auch das Fernsehen jetzt jedes Detail aus dem Vorleben von Herrn Wulff unter die Lupe nehmen und auf Ehrbarkeit prüfen, geht mir erheblich zu weit. Auch die angeblich repräsentativen Umfragen auf der Straße, wo man dann 500 Personen befragt und vielleicht noch eine subjektive Auslese der Antworten trifft, je nachdem welche Meinung man gerade publizieren will, erscheint mir außerordentlich bedenklich. Investigativer Journalismus, d.h. Aufdeckung von offensichtlichen Schweinerein (verzeihen Sie mir den Ausdruck), wie man es von Watergate her kennengelernt hat, ist sicherlich richtig und wird auch von der Pressefreiheit, wie sie im Grundgesetz garantiert wird, gedeckt. Aber das Herumstöbern in der Vita eines Menschen, nur um dunkle Punkte zu entdecken, ohne etwas Konkretes zu wissen, und dann mit Schlagworten in der Boulevardpresse ansonsten ehrbare Bürger anzuprangern, erscheint mir doch erheblich über das Ziel der sogenannten Pressefreiheit hinausgeschossen. Wir haben dies bereits erlebt bei Fußballern, bei Trainern, bei Schauspielern u.ä. Personen des öffentlichen Lebens, deren Ansehen oder Karriere man um einer billigen Schlagzeile willen zerstört hat. Auch die gezielte Stimmungsmache für oder gegen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens geht mir in der heutigen Zeit zu weit. Zugegeben, die Sensationslust der Bevölkerung ist teilweise riesengroß, aber unter Pressefreiheit verstehe ich immer noch eine sachliche, nüchterne Berichterstattung über die Geschehnisse des Tages. Das sollte doch das eigentliche Ziel der Presse sein. Natürlich bin ich nicht naiv genug, um zu glauben, dass man damit Schlagzeilen erzeugen kann, die eine Auflagensteigerung bewirken. Um es mit anderen Worten zu erklären: Seit Herbst letzten Jahres wird über das Jahr 2012 geunkt und es werden durch Prognosen sogenannter Sachverständiger und Experten böse Befürchtungen für das Jahr 2012 geäußert. Wenn eine Volkswirtschaft aus Hochkonjunktur und höchster Beschäftigung und Auftragslage langsam in eine Normalität zurückfindet, dann kann das keine Krise sein. Wenn man es aber intensiv und lange genug wiederholt, dann werden leider Mitmenschen, die nicht so gut informiert sind, doch in eine bedenkliche Stimmung versetzt, die dann zu einer Krise führen kann. Gott sei Dank sind unsere Mitbürger als Konsumenten bisher ziemlich immun für diese Kassandra-Rufe geblieben und verhalten sich ziemlich unbeeindruckt gegenüber dieser Unkerei. Die Befürchtungen für dieses Jahr sind genauso substanzlos wie der berühmte Blick in eine Glaskugel. Als Folge der Bankenkrise hatte man in den USA die Immobilienkrise ausgerufen oder die Kreditkartenkrise. Meines Wissens nach haben diese Krisen bisher auf sich warten lassen. Ganz im Gegenteil: Wir hatten nach 2008 einen wunderbaren wirtschaftlichen Aufschwung zu verzeichnen und selbst die USA scheinen sich aus der Wirtschaftskrise des Jahres 2008 langsam wieder zu erholen, auch wenn es noch viel zu viele Arbeitslose dort gibt. Leider scheint es eine Eigenschaft des Menschen und vor allem von uns Deutschen zu sein, viel zu ängstlich oder negativ die Zukunft zu sehen. Hier lobe ich mir unsere südeuropäischen Nachbarn, die ihr Leben und ihre Zukunft sehr viel positiver sehen. Deshalb würde ich mir auch wünschen, dass unsere Presse, vor allem die Boulevardpresse, zu einem sachlicheren Ton zurückkommt und vor allem nicht meinungsbildend wirkt entsprechend den Berichten aus der Bibel, als das Volk „kreuziget ihn“ gerufen hat. Mit freundlichen Grüßen W. Endrich
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